Eignung

Welche Voraussetzungen muß ein Rettungshund mitbringen?

Nach den Prüfungsordnungen IRO (Internationale Organisation für das Rettungshundewesen) und der IPO-R der FCI (Federation Cynologique Internationale) sind grundsätzlich alle Hunde ohne Rücksicht auf Größe, Rasse oder Abstammungsnachweis für eine hundesportliche Vorbereitung auf die RH-Prüfungen geeignet. Die Hunde müssen allerdings gesund sein und dürfen keine anatomischen Veränderungen des Bewegungsapparates aufweisen. Also keine HD oder ED, usw. Nur so kann eine schmerzfreie Ausbildung und Teilnahme an Prüfungen gewährleistet werden.

Neben korrekter Anatomie muß ein Rettungshund auch über ein einwandfreies Wesen verfügen: ängstliche, schüchterne, oder schreckhafte Hunde sind ungeeignet. Während der Ausbildung und evtl. später müssen sie sich zudem unbeeindruckt gegenüber Feuer, Rauch, lästigen Gerüchen oder Geräuschen zeigen. Dass ein Rettungshund schußfest ist, versteht sich von selbst. Flächensuche findet oft in Wäldern statt, wo Jäger schießen können. Der Hund darf natürlich nicht wildern. Allerdings gibt es hier wohl keine 100%ige Sicherheit. Trümmersuche wird auf Untergründen durchgeführt, die nicht wirklich sicher sind, so dass ein nervenstarker Hund Vorrausetzung hierfür ist.

Rettungshunde müssen über eine überdurchschnittliche Triebveranlagung, Selbstsicherheit und Belastbarkeit (TSB) verfügen.

Die Anatomie des Hundes muss für die Aufgaben geeignet sein. Das bedeutet, zu große aber auch zu kleine Hunde sind ungeeignet. Zu kleine Hunde sind für die Suche im Unterholz benachteiligt, da sie hier nicht hindurchkommen. Zu große Hunde haben auf Trümmerfeldern Schwierigkeiten und können ein Feld durch ihr Gewicht zum Verrutschen oder Einstürzen bringen. Bei jeder Prüfung muß der Hund getragen und anderen Personen übergeben werden. Das geht mit Hunden nicht, die zu schwer sind. Als sehr geeignet haben sich Hunde mit einer Widerristhöhe von 55cm bis 65 cm erwiesen. Das Höhen- Längenverhältnis soll in einem Verhältnis von 9 zu 10 stehen.

Folgende Eigenschaften muß nach A. Quint ein Rettungshund mitbringen:

– einwandfreie Gesundheit

– uneingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit

– gute Kondition

– außerhalb der Reizlage gutartig

-sehr aufmerksam

– im Wesensbild ausgeglichen und aufgeschlossen

– absolut nervenfest und unbefangen

– gleichgültig gegen Umweltlärm

– knallfest

– führig

– gehorsam

– eine überduchschnittliche Triebveranlagung, Selbstsicherheit und Belastbarkeit (TSB)

Wesensschwache Hunde und Hunde, die Angst vor anderen Tieren oder gar Menschen haben oder hier Aggressivität zeigen sind für die Ausbildung ungeeignet.

Aber nicht nur der Hund muß für die Ausbildung geeignet sein, sondern auch der Hundeführer. So schreibt A. Quint: „Voraussetzung für den aktiven Dienst in der Einsatzorganisation ist die körperliche und geistige Reife des Hundeführers. Diese sollen auf Anforderung der Organisation in Form einer ärztlichen Untersuchung nach den berufsgenossenschaftlichen Grundsätzen für belastende Tätigkeiten nachgewiesen werden. “

Die Prüfungen werden nach Schwierigkeitsstufen 1, 2A und 2B, sowie 3 durchgeführt. Die Prüfungsstufe 3 berechtigt beim SV zum Einsatz im Ernstfall. Der Hundeführer muß hier das 18. Lebensjahr vollendet haben, er darf höchstens 60 Jahre alt sein. Er muß zusätzlich das bronzene Sportabzeichen vorweisen, außerdem muß er im Besitz der SV-Übungsleiterlizenez sein. Bis zur Stufe 3 ist es ein weiter Weg, nicht nur für den Hund sondern auch für den Hundeführer, denn es dürfen nur gemeinsam ausgebildete und geprüfte Teams eingesetzt werden. Aber dann hat man ein Team auf einem extrem hohen Niveau, von dem die meisten Einsatzorganisationen nur träumen.

Vergleicht man die Prüfungsordnungen deutscher Rettungshundorganisationen miteinander, so stellt man fest, dass zwar jede Organisation ihr eigenes Süppchen kocht, dass aber zur Zeit die Anforderungen angeglichen werden.  Unterordnung wird demnächst z. B. auch beim THW geprüft, die Anforderngen sind hier beim DRK deutlich strenger geworden.  Es geht auch nicht, dass jede Organisation ihre eigene Prüfungsordnung aufstellt und diese von eigenen (selbst ernannten) Richtern geprüft werden. Ziel darf nicht sein, in möglichst kurzer Zeit, möglichst viele geprüfte Hunde auf einem extrem niedrigen Niveau zu haben. Es geht schließlich um Menschenleben. Deshalb ist der Weg, den der SV eingeschlagen hat absolut richtig. Zunächst werden die Hunde sportlich geführt und nur die besten Teams, die nach einem langen und schwierigen Weg bis zur Prüfungsstufe 3 kommen, werden im Ernstfall eingesetzt. Damit unsere Hunde international vergleichbar werden, wird auch die SV-Prüfungsordnung internationalen Standards angepaßt, so z. B. der Prüfungsordnung der IRO, die mit der IPO der FCI eigentlich identisch ist.